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Literatur

Jenseits von Angebot und Nachfrage

Wilhelm Röpke:
Jenseits von Angebot und Nachfrage

Verlagsanstalt Handwerk GmbH 2009, Nachdruck der 1958 im Eugen Rentsch Verlag erschienenen 1. Auflage, gebunden, 368 Seiten,
ISBN 978-3-86950-037-9

Als Liberaler lehnt Röpke alle sozialistischen Experimente ab, als Konservativer wendet er sich gegen Trends, die den Liberalismus verdorben haben: Utilitarismus, Progressivismus, Säkularismus, Rationalismus, Optimismus und Gnostizismus. Röpke möchte den Kollektivismus in all seinen Schattierungen durch ein Programm der Dezentralisation, der Wiederverwurzelung, der Entmassung und Entproletarisierung zurückdrängen und das Mass des Menschlichen wieder zur Geltung bringen. Die Herdenhaftigkeit der Massengesellschaft unterzieht er einer harschen Kulturkritik. Die Wiederherstellung der Marktwirtschaft ist ihm nicht genug: Ihr Erfolg hänge von der Existenz einer geistig-moralischen Rahmenordnung ab, für die der freie Markt zwar die kongeniale Sozialtechnik sei, die aber durch ihn nicht hervorgebracht und gesichert werden könne. Dieser sei kein Selbstzweck, sondern Mittel für das tiefere Ideal einer dezentralen, dem Menschen gemässen Sozialordnung.
Den demokratischen Wohlfahrtsstaat betrachtet Röpke als «komfortable Stallfütterung», die nicht nur materiell ins Verderben führe, sondern auch eine geistige Korruption der Menschen bewirke. Die Verdrängung von Eigenvorsorge durch staatliche Zwangsvorsorge, die Schwächung von Verantwortung, Leistungsantrieb und Initiative, seelische Verarmung und Langeweile machen die Menschen reif für den Totalitarismus. Dem hält Röpke altmodische Tugenden wie Selbstdisziplin, Gerechtigkeitssinn, Fairness, Masshalten oder Gemeinsinn entgegen.
Der Hang zum Konstruierten, Kollektiven, rationalistisch Begründeten und Doktrinären ist für ihn nicht nur Merkmal des Wohlfahrtsstaats, sondern im weiteren Sinne des «Zentrismus» als Sozialphilosophie. Röpkes Plädoyer für das Individuelle, die gewachsenen Gemeinschaften, den lebendigen Föderalismus und den Freihandel richtet sich deshalb ebenso gegen Tendenzen zu einem europäischen Zentralismus. Auch wenn Röpkes Ideal einer auf Bauerntum, Handwerk und Mittelstand gründenden Ordnung der kleinen Einheiten als romantisch erscheinen mag, ist seine Kritik an den korrumpierenden Wirkungen des Wohlfahrtsstaats und an den zentralistischen Gefahren der europäischen Integration zu Beginn des 21. Jahrhunderts aktueller denn je.

Schöne Neue Welt

Aldous Huxley:
Schöne Neue Welt
Ein Roman der Zukunft

S. Fischer Verlag GmbH 2015, 4. Auflage, kartoniert, 368 Seiten,
ISBN 978-3-596-90573-7

Sex, Konsum und Drogen
Wie sorgt man dafür, dass alle Menschen glücklich leben können? Ganz einfach: Man schafft Krankheit, Alter und sämtliche negativen Gefühle ab. Aldous Huxley schildert in Schöne Neue Welt eine solche Utopie: Technischer Fortschritt hat jegliche Schmerzen besiegt und alle Probleme scheinbar gelöst. Die Menschen werden industriell produziert und schon im Embryonenalter auf ihre spätere Rolle in der Gesellschaft genormt. Konsum und Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern sind Pflicht. Zudem erstickt die euphorisierende Droge Soma jeden Anflug von Unzufriedenheit im Keim. Die Spanne zwischen Bedürfnis und Bedürfnisbefriedigung auf ein Minimum reduzieren – das ist das oberste Ziel einer äußerlich perfekten Spezies.

Als Huxley 1931 sein Hauptwerk schrieb, waren geklonte Menschen, manipulierte Embryonen oder Psychopharmaka noch ferne Zukunftsmusik. Umso frappierender – und beklemmender – ist die brennende Aktualität des Buchs. Eine Welt, in der das gedankenlose Vergnügen zur Maxime erhoben wird. Dieser Roman ist nicht „immer noch“ lesenswert. Sondern mehr denn je.

Die vergessene Klugheit

Allan Guggenbühl:
Die vergessene Klugheit
Wie Normen uns am Denken hindern

Verlag Hogrefe, 2016, 1. Auflage, gebunden, 272 Seiten,
ISBN 978-3-4568-5239-3

Allain Guggenbühl schreibt in seinem neuen Buch über die unheimliche Diskrepanz zwischen dem, was wir denken, schlussfolgern oder sinnieren könnten, und dem, was wir schließlich öffentlich sagen. Und stellt sich und den Lesenden die Frage, ob es individuelle Gründe sind, der berühmte Mainstream, die Systemgläubigkeit, die uns als Menschen und Bürger daran hindern, unsere Denkleistung zu entfalten, ihr zu vertrauen und aus dem Funktionärsleben - zumindest partiell - auszusteigen.
Das Buch gliedert sich in acht Kapitel. Diese sind sauber durchstrukturiert und mit aussagekräftigen Unterkapiteln versehen wie z.B.:
- Meinungseinfalt: die Gefahr, sich der Stimme der Öffentlichkeit zu fügen
- Die Notwendigkeit, ausserhalb von Konventionen zu denken
- Die Entmündigung der Praktiker durch Standards
- Akademien als Originalitätsbremser
- Wer gelegentlich blöd sein kann, beweist seine Klugheit
- Wenn alle gleicher Meinung sind, dann stimmt etwas nicht
Der Autor plädiert für die Notwendigkeit eines rebellischen Geistes. Er wünscht sich mehr Frauen und Männer, die sich den Tabuisierungen in den modernen Gesellschaften widersetzen, Standesdenken und Gruppencodes kritisch hinterfragen. Menschen, die sich dem Anpassungsdruck widersetzen und mit pfiffigen Argumenten, Humor oder Provokationen den Denkverboten und Ideologien trotzen.

"Dieses Buch ist eine Offenbarung für all diejenigen, die gegenüber dem herrschenden Mainstream kritisch eingestellt sind, eigenständiges Denken nicht verlernt haben und sich politisch weder von links noch von rechts vereinnahmen lassen!"

Schluss mit dem Wachstumswahn

Urs P. Gasche / Hanspeter Guggenbühl:
Schluss mit dem Wachstumswahn
Plädoyer für eine Umkehr


Verlag Rüegger, 2010, 2. Auflage, kartoniert, 134 Seiten,
ISBN 978-3-7253-0965-8

Das Wachstum der Wirtschaft ist ein Wahn, dem die führenden Leute aus Wirtschaft und Politik verfallen sind. Um das Wachstum zu retten, häufen die Staaten immer mehr Schulden an. Gleichzeitig beschleunigen sie die Plünderung der Natur. Dabei leben wir schon heute von der Substanz: Die Vorräte auf unserem Planeten schrumpfen. Die Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten nimmt ab. Das materielle Wachstum stösst an Grenzen. Finanz- und Immobilienblasen platzen.
Um den globalen Natur- und Finanzkollaps zu vermeiden, braucht es eine Neuorientierung: Die Verschwendung muss ein Ende finden. Lebensqualität muss Vorrang haben gegenüber dem Wachstum von Konsum und Bevölkerung. Die Grössten, also die reichen Industriestaaten, müssen ihr Wachstum als erste beenden. Dafür plädiert dieses Buch. Und es zeigt Auswege aus der Wachstums- und Verschuldungsfalle.

Die Akademisierungsfalle

Rudolf H. Strahm:
Die Akademisierungsfalle
Warum nicht alle an die Uni müssen

hep verlag, 2014, 1. Auflage, Hardcover, 240 Seiten,
ISBN 978-3-0355-0017-2

Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst der Jugendarbeitslosigkeit. Jeder vierte erwerbsfähige Jugendliche in der EU ist ohne Arbeit. In der Schweiz hingegen liegt die Jugendarbeitslosigkeit auf tiefen drei bis vier Prozent. Ein wichtiger Grund dafür liegt im dualen Berufsbildungssystem der Schweiz.
Die europäischen Länder ohne Berufsbildungssystem sitzen in der Akademisierungsfalle. Einerseits bilden sie an ihren Universitäten Leute aus, die im Arbeitsmarkt nicht gebraucht werden, und andererseits leiden sie unter einem dramatischen Industrieabbau, weil ihnen die qualifizierten Berufsleute fehlen. Inzwischen bedroht der Trend zur Akademisierung auch die berufspraktische Ausbildung in der Schweiz.
In diesem Buch beschreibt der bekannte Ökonom, Bildungspolitiker, frühere Preisüberwacher und alt Nationalrat Rudolf H. Strahm das Drama der Jugendarbeitslosigkeit in Europa und die Fallstricke einer arbeitsmarktfernen akademischen Ausbildung. In seiner gewohnt prägnanten und fundierten Art zeigt er, dass die Berufsbildung bezüglich Arbeitsmarktfähigkeit und Qualitätsarbeit der akademischen Ausbildung überlegen ist und dass es sich lohnt, die Berufsbildung zu pflegen und zu fördern.

Raubzug auf den Regenwald

Lukas Straumann:
Raubzug auf den Regenwald
Auf den Spuren der malaysischen Holzmafia

Salis Verlag AG, 2014, 1. Auflage, gebunden, 380 Seiten,
ISBN 978-3-906195-05-6

170 Jahre nach der Gründung als Privatkönigreich gehört Sarawak zu Malaysia und wird von Potentat Taib Mahmud mit eiserner Faust regiert. Neunzig Prozent des Urwalds sind unter seiner Herrschaft verschwunden, dafür hat die Herrscherfamilie ein Milliardenvermögen erworben und rund um den Globus verteilt. Lukas Straumann, Geschäftsführer des in Basel ansässigen Bruno Manser Fonds traf Whistleblower, Indigene und Anwälte, die sich gegen die Zerstörung des tropischen Regenwalds, einen der artenreichsten Lebensräume der Erde, wehren. In den Fussstapfen des verschollenen Umweltschützers Bruno Manser enthüllt er ein Netzwerk von Raffgier, Korruption und Gleichgültigkeit, das von Malaysia bis nach Europa, Südamerika und Australien reicht. Sarawak ist zu einem Epizentrum der Abholzung geworden, von dem aus Holz- und Plantagenkonzerne auf allen Kontinenten operieren, oft illegal und mit bleibenden Schäden für die Umwelt.

Die Schrumpf-Schweiz

Simon Geissbühler:
Die Schrumpf-Schweiz
Auf dem Weg in die Mittelmässigkeit

Stämpfli Verlag AG Bern, 2014,
2. Auflage, gebunden, 144 Seiten,
ISBN 978-3-7272-1420-2

Zitat:
"Was heute mehr denn je fehlt, ist klassische Bildung. Klassische Bildung beschäftigt sich mit der Seele und nicht mit Maschinen und mit Geld. Sie erzieht dazu, leise Töne zu hören und Geschrei zu ignorieren. Sie orientiert sich am Licht und meidet das Rampenlicht. Sie geht in die Tiefe, erklärt die Breite nicht zur Spitze und vermeidet die immer mehr um sich greifende inhaltsleere Geschwätzkultur."
(Seite 102)

Europa-Entscheid

Rudolf H. Strahm:
Europa-Entscheid
Grundwissen für Bürgerinnen und Bürger mit vielen Schaubildern

Werd Verlag, 1992 1. Auflage, kartoniert, 256 Seiten,
ISBN 3-85932-069-6

Zitat:
"Falls sich die Schweiz für den EWR entscheidet, muss sie jedenfalls mit der Möglichkeit eines nicht mehr kontrollierbaren Zustroms von Arbeitssuchenden aus dem EG-Raum rechnen. Ebenfalls aus der EG wäre überdies eine vermutlich erhebliche zusätzliche Nachfrage nach Wohnraum und Grundeigentum zu erwarten. ... Das Risiko eines starken Schubs quantitativen Wachstums mit negativen Auswirkungen auf die Umwelt und möglicherweise auch auf die Gesellschaft lässt sich nicht von der Hand weisen. ... Es geht nicht um Fremdenfeindlichkeit, sondern um die Auswirkungen der Migration auf das quantitative Wachstum und die soziale Frage. Eine Erhöhung der ständigen Wohnbevölkerung erfordert mehr Wohnungsbau. Darüber hinaus erfordert sie zusätzliche Infrastruktur zu Lasten der öffentlichen Hand, mehr Energie-, Ressourcen- und Landschaftsnutzung, kurz: einen neuen Schub quantitativen Wachstums." (Seite 150)