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Gesellschaft


Sexuelle Übergriffe in Köln
Ich denke, ich höre nicht recht: plötzlich ist angesichts der Vorkommnisse in Köln von westlichen Werten die Rede, ja, gibt es die noch? Mit den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht in Köln und anderen Städten wird der westlichen Welt der Spiegel vorgehalten: dieser zeigt eine dekadente Welt, in der der allgemeine Wertezerfall weit fortgeschritten ist. Sex wurde in der westlichen Welt zu einem reinen Konsumartikel degradiert. Schrankenlose Triebbefriedigung gilt als Beweis eines liberalen, weltoffenen, freien Geistes. Der Staat hilft bei diesem allgemeinen Wertezerfall wacker mit. So wird vom Bundesamt für Gesundheit Liebe auf die Kopulation zweier oder mehrerer Individuen reduziert, Verantwortung übernehmen auf die unmittelbare Triebbefriedigung unter Anwendung eines Kondoms (oder auch nicht). Gefühl, Mitgefühl, der Mitmensch gibt es in einem solchen Denken nicht mehr. Nur noch das Luststreben des Individuums, das verächtlich auf all die Ewiggestrigen, Prüden herabblickt, die Mühe haben mit der heutigen versexualisierten Gesellschaft.



ICH GENIESSE MEIN LEBEN. DAS BIN ICH MIR SCHULDIG.

Ich lebe, wie es mir gefällt und liebe, wen ich will. Denn ich habe nur dieses eine Leben.
Ob ich es geniesse oder nicht, liegt an mir.
Ich erfülle mir meine Wünsche und übernehme Verantwortung für meine Entscheidungen.

Und da wundern wir uns, wenn in dieser Gesellschaft, in der man überall und jederzeit mit der Konsumware Sex konfrontiert wird, Menschen aus anderen Kulturkreisen dieses Konsumdenken übernehmen?
Hätten wir in unserer westlichen Gesellschaft noch spürbare Werte, noch Leitlinien betreffend Sexualität, dann wären diese Sex-Attacken in Köln und anderswo auch nicht vorgefallen, denn dann würden diese Männer aus anderen Kulturkreisen diese Werte automatisch mitbekommen, wenn sie hier sind, und sie würden danach leben.
13. Januar 2016




Eine parolenfassende Kirche ist eine überhebliche Kirche
Diese Aussage möchte ich mit der Geschichte vom Missionar verdeutlichen: Es war einmal ein junger Mensch, intelligent, durch langjährige Studien intellektuell geprägt und gefestigt, der empfand den dringenden Wunsch, den armen, ungebildeten Negerlein im fernen Afrika zu helfen und sie aus ihrer Unwissenheit und Gottlosigkeit zu führen. So reiste er nach Afrika und verwandte etliche Jahre seines Lebens damit, der ungebildeten afrikanischen Bevölkerung beizubringen, was sie zu tun bzw. zu lassen hatten. Leider wurde diese Art des Missionierens von der afrikanischen Bevölkerung mit der Zeit nicht mehr goutiert, denn diese empfand seine Art des Missionierens als überheblich, arrogant, besserwisserisch und elitär.
So kehrte unser Missionar enttäuscht in die Schweiz zurück. Hier nun wurde er fündig: er erhielt eine Stelle als Pfarrer bei der reformierten Landeskirche und konnte in dieser Funktion seinen mitmenschlichen Intellekt unter die Leute bringen. Denn auch in der Schweiz, erkannte er, gab es erschreckend viele Leute, die nicht selber denken konnten, denen man sagen musste, wo man nein zu stimmen hatte, wo ein ja angebracht war. Unser Missionar war entsetzt feststellen zu müssen, dass viele Schweizerinnen und Schweizer so unwissend waren, dass sie in ihrer Einfalt die Frechheit besassen, eine andere Meinung zu vertreten als doch intellektuell angebracht gewesen wäre. Auch diese Schweizer und Schweizerinnen empfanden seine Art des Missionierens/Politisierens als überheblich, arrogant, besserwisserisch und elitär. Glücklicherweise hatte unser Missionar seine einflussreichen, durch langjährige Studien intellektuell geprägten und gefestigten Freunde in gesicherten theoretischen Etagen, die ihn schreibkräftig unterstützen konnten. So politisiert unser Missionar unermüdlich weiter von Sonntag zu Sonntag von der Kanzel seine Jas und seine Neins … und da er nicht gestorben ist, so „Jat“ und „Neint“ er noch heute.
Und die Moral von der Geschichte: Jesus war zutiefst politisch, doch Jesus behandelte Andersdenkende als mündig und nicht von oben herab (was die reformierte Landeskirche mit ihrer Parolenfassung tut). Er zeigte einen Weg, eine Ethik auf, liess den Menschen jedoch frei wählen, welchen Weg auf dieser Ethik basierend er geht, ob den Ja-Weg oder den Nein-Weg.
Irgendwie ist die reformierte Landeskirche mit ihrer Parolenfassung im Alten Testament steckengeblieben, wo der Mensch als unmündiges Individuum von oben herab angeleitet werden muss: du musst, du sollst …
Es täte der reformierten Landeskirche gut, wenn sie die Parolenfassung sein lassen und ins Neue Testament hinüberwechseln würde: hier ist der Mensch mündig, mit Christus auf einer Ebene, sein Weg ist ihm freigestellt, er darf, er kann, er muss aber nicht.
Die parolenfassende Kirche, der Gottfried Locher „politische Kirche“ sagt und mit der Widerstandskirche zur Zeit des 2. Weltkrieges verwechselt, ist für mich wie ein Zurechtweisen aller Andersdenkenden durch den rächenden Gott von oben herab. Das kommt bei den Menschen nicht an. Die Menschen müssen sich in ihrem Sein anerkannt fühlen, von Mensch zu Mensch angesprochen werden, damit ein Dialog fruchtbar sein kann. Eine Besserwisserin, wie die parolenfassende Kirche wohl von vielen erlebt wird, kann die Welt nicht zum Guten verändern.
reformiert, Juni 2011



Zukunft der Sozialwerke
Wie wenig hat doch die heutige Gewerkschaft Unia noch zu tun mit deren stolzen Vorvätern und Vormüttern, die aus der arbeitenden Bevölkerung stammten und die für diese vieles erreicht haben. Heute, denke ich, bestehen die Führungsgremien der Gewerkschaft, der SP mehrheitlich aus Intellektuellen, die noch nie körperlich gearbeitet haben und ein Durchschnittseinkommen haben, das weit über demjenigen eines normalen Arbeiters liegt. Das beweist auch das Arbeitslosen-Merkblatt "Anspruch" der Unia, das in einem Beispiel von einem Bruttomonatslohn von CHF 11'000.00 !!!) ausgeht (ich kenne niemanden, der nur annähernd so viel verdient). Dieses Beispiel grenzt an Abzockerei der Arbeitslosenkasse (denn ein Gutverdienender bekommt ein Vielfaches mehr an Arbeitslosengelder ausbezahlt als ein Normalverdienender, auch wenn man die etwas höheren Prämien dabei berücksichtigt). Es ist leicht, mit vollen Händen Geld auszugeben, das einem nicht gehört bzw. das zuerst mittels Steuereinnahmen generiert werden muss. Bei der Unia und auch der SP habe ich wirklich den Eindruck, dass deren Führung glaubt, das Geld hänge an den Bäumen und müsste nur gepflückt werden. Unsere Sozialwerke, an denen die Ur-Unia entscheidende Verdienste trägt, werden heute durch deren Verteilmentalität zunehmend ausgehöhlt. Die Sozialwerke-Politik, die die Unia betreibt, kann nur zu deren vollständigem Kollaps führen. Auch ich bin gegen die überrissenen Boni und Abzockermentalität der Manager, doch meiner Meinung nach macht die Unia genau dasselbe, indem sie Geld, das nicht ihr gehört, im Giesskannenprinzip verteilt in erster Linie nicht an Personen, die als Begünstigte dieses Sozialwerkes (z.B. Arbeitslosenkasse) vorgesehen wären, sondern an diejenigen, die am besten wissen, wie sie von den Sozialwerken profitieren können und das sind oft auch die Besserverdienenden. Ohne Eigenverantwortung des Einzelnen ist unsere Gesellschaft zum Untergang verurteilt. Es wäre sehr heilsam für die Unia und auch die SP, wenn sie die Abzocker nicht mehr als Sündenböcke sondern als Spiegelbild ihrer selbst ansehen würde. Dann würde sie wieder glaubwürdig.
9. März 2010



Tag der (geistigen) Armut?
Eigentlich war ich der Auffassung, dass der Tag der Armut der materiellen Armut gewidmet ist, wenn aber Armut über einen neuen Fernseher, den man sich nicht leisten kann bzw. Auswärtsessen, das im Budget nicht mehr so häufig drin liegt, definiert wird, dann beginne ich an dieser Auffassung zu zweifeln.
Ich denke, sehr viele Menschen, die sich durchaus nicht als arm bezeichnen würden, können sich eine grössere Ausgabe wie z.B. einen neuen Fernseher nicht einfach so aus dem laufenden Einkommen leisten. Solche Ausgaben müssen mittels Budgets geplant werden, das dann eben vielleicht vorsieht, dass man im Moment aufs Auswärtsessen ganz verzichtet.
Diese Definition von Armut, wie sie im Artikel über Christof Berger zum Ausdruck kommt, ist meiner Ansicht nach ein Schlag ins Gesicht von allen, die überlegt mit ihrem bescheidenen Einkommen haushalten, bewusst auf viele materielle Dinge verzichten, sich dabei aber durchaus an ihrem Dasein erfreuen. Besonders stossend ist diese Definition von Armut für all diejenigen, die kein Dach über dem Kopf haben, nicht wissen, wie sie ihre Nahrung finanzieren, ihre Gesundheit wiederherstellen können.
Wenn es Christof Berger ein Anliegen ist, über den Begriff Armut zu diskutieren, dann sollte er auch mit offenen Karten spielen und den Mut haben, seine verschiedenen Einnahmen und Ausgaben detailliert aufzulisten und auch die zitierte Armutsgrenze zahlenmässig zu benennen.
Wir entrüsten uns über die Abzockermentalität der Banker und merken nicht, dass unsere Geisteshaltung eigentlich – zugegebenermassen auf einer tieferen Ebene – die gleiche ist. Wir sind so in unserer Konsum- und Wegwerfmentalität versumpft, dass wir nicht merken, wie viel Schönem wir durch unser Streben nach materiellen Werten entgehen: da fahren wir ins Westside, ärgern uns darüber, dass es Menschen gibt, die sich dort alles leisten können, und gleichzeitig entgeht uns der goldene Herbsttag und die Wanderung durch den farbigen, strahlenden Blätterwald.
Wenn man über ein Dach über dem Kopf verfügt, über Nahrung, Kleidung, eine warme Dusche, Gesundheit, Lebensfreude und Phantasie, dann braucht man kein Westside, keinen neuen Fernseher, keinen Neid über das grössere Bankkonto des Nachbarn, denn dann ist man reich.
Der Bund, 3. November 2008



Typisch anbiederisch-schweizerisch
Beim Lesen Ihrer Kolumne „Sonntags nie?“ konnte ich nur den Kopf schütteln. Ihre Antwort ist typisch anbiederisch-schweizerisch, die nirgends anecken will und Toleranz total über jegliche hilfreiche, klare Antwort stellt. Sie haben der Fragestellerin damit einen Bärendienst erwiesen, wenig Einfühlungsvermögen in eigene und fremde Kulturen gezeigt und jegliche Empathie vermissen lassen. Wie hätten Sie wohl geantwortet, wenn eine Schweizerin Sie um Rat gebeten hätte, weil ihr das genau Gleiche irgendwo im Ausland passiert wäre? Mit ziemlicher Sicherheit hätten Sie ihr die dort herrschenden Regeln und die dahinter liegende Kultur erklärt und ihr geraten, sich daran zu halten und die fremde Kultur zu achten. Auf Ihr Beispiel mit der Asiatin übertragen: ich hätte ihr geraten, an hohen Feiertagen und wenn möglich auch an normalen Sonntagen auf das Aufhängen der Wäsche auf dem Balkon zu verzichten. Aus Rücksicht auf die ihr fremde Kultur. Diese Antwort wäre mit Bestimmtheit für sie hilfreicher gewesen, als die ihrige, die eher dazu rät, zu provozieren, Fronten entstehen zu lassen und Personen, denen der Sonntag heilig ist, zu verunglimpfen. Dass der Hausmeister mit einer Anzeige gedroht hat, finde ich unklug und dumm. Das täuscht mich aber nicht darüber hinweg, dass das Anliegen dahinter durchaus seine Berechtigung hat. Wäsche an einem Feiertag auf dem Balkon aufzuhängen signalisiert Verachtung für die herrschende Kultur, auch wenn es nicht so gemeint ist. Deshalb sollte die Fragestellerin korrekt aufgeklärt werden, denn es geht ihr ja nicht um Provokation, es geht ihr um ein möglichst konfliktfreies Zusammenleben.
saemann, November 2007



Sozialhilfebeiträge zu hoch
Mit ihren Antworten im Samstagsinterview vom 4. August 2007 disqualifiziert sich Frau Olibet selbst: jeder ihrer Antworten wirkt auf mich arrogant und diffamierend jedem Andersdenkenden gegenüber. Mit dieser „Gesprächskultur“ lassen sich keine Probleme lösen. Für Frau Olibet gibt es offensichtlich nur Schwarz und Weiss. Die Kritik von Frau Lanker damit abzutun, dass sie wohl Schwierigkeiten bei der Übergabe ihres Amtes hätte, zeugt von einem erschreckend tiefen Niveau von Frau Olibet, denn die Amtsübergabe von Frau Lanker hat mit deren Kritik nichts zu tun: Auch wenn Frau Lanker mit der Amtsübergabe Schwierigkeiten haben sollte, heisst das nicht, dass die Kritik von Frau Lanker unberechtigt ist.
Dass zum Beispiel die Sozialhilfebeiträge zu hoch sind, illustriert meiner Ansicht nach auch folgendes Beispiel: Ich fülle Steuererklärungen aus. Nun hatte ich zweimal den Fall, dass Selbständigerwerbenden mit einem bescheidenen Umsatz das steuerbare Einkommen erhöht wurde, da die Steuerverwaltung für die Berechnung des Privataufwandes für Haushaltausgaben* gemäss Bundesamt für Statistik Fr. 9'900.00 pro Person und Jahr einsetzt. Braucht nun jemand weniger als diesen Betrag für die Haushaltführung, weil er sich seinen finanziellen Verhältnissen anpasst und bescheiden lebt, wird ihm dieses nicht erzielte Einkommen von der Steuerbehörde auf sein steuerbares Einkommen aufgerechnet und er muss Einkommen besteuern, dass er nie erzielt hat. Wie es offenbar für die Steuerbehörde nicht denkbar ist, dass man mit weniger als Fr. 9'900.00 pro Person und Jahr für Haushaltausgaben auskommen kann, so ist es wohl auch für Frau Olibet nicht nachvollziehbar, mit tieferen Sozialhilfebeiträgen auszukommen, denn zum Beispiel Rauchen (das auch in den Haushaltausgaben des Bundesamtes für Statistik figuriert) ist ja ein Menschenrecht, oder etwas nicht?
* Haushaltausgaben für 1 Jahr beinhalten Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren, Bekleidung, Wohnungseinrichtung, Heizung und Beleuchtung, Reinigung von Bekleidung und Wohnung, Körper- und Gesundheitspflege, persönliche Ausstattung, Gesellschaftsausgaben und Verschiedenes (Quelle: Bundesamt für Statistik).
8. August 2007



Tohuwabobo
Ich bin in keiner Partei, aber die EDU hat mich mit ihrem Mut sehr beeindruckt, Unterschriften gegen den Bobo-Song zu sammeln, trotz vorauszusehender massiver Kritik sogenannter „weltoffener“ Toleranztotal-Menschen und der Medien, die die EDU als Fundamentalisten, Ewiggestrige und selbst ernannte Hüter der christlichen Werte verunglimpfen. Wenn innert kürzester Zeit 50’000 Menschen diese Petition unterschreiben, dann muss diese Kritik ernst genommen werden. Mit Stef Kormann bin ich einig: DJ Bobos Darbietung wird die Welt nicht gross bewegen. Es geht hier ja auch nicht um DJ Bobo. Es geht allgemein um die Konsequenzen solcher verantwortungsloser Darbietungen, die zunehmend in erschreckendem Masse zutage treten. Wie Sie richtig im Artikel betreffend Eva Herman schreiben: „Bauchfreie Püppchen werfen sich ihren flaumbärtigen Kerlen unterwürfig an die Brust, wie sie es im geilen Rapvideo auf Viva gesehen haben“. Studenten ermorden eine Unzahl Menschen wie sie es in unzähligen geilen Videoclips und Rapdarbietungen beobachten konnten. Dass gerade junge Menschen mit stundenlangem täglichen Mediengewaltkonsum oft nicht mehr zwischen Realität und Fiktion unterscheiden können, kann immer mehr beobachtet werden. Es ist erschreckend, dass heute Ethik und Moral Worte sind, die nicht mehr in den Mund genommen werden dürfen, wenn man nicht Gefahr laufen will, als uncool und fundamentalistisch abgekanzelt zu werden. Wir brauchen jedoch wieder eine gemeinsame Ethik, gemeinsame Werte, und vor allem positive, glaubwürdige Vorbilder, die ohne Blut, Gewalt und Tränen der Jugend Botschaften vermitteln können, die diese zu eigenständigen, kritischen, selbstbewussten, lebensbejahenden und kreativen Menschen heranwachsen lassen, die nicht jeder Versuchung erliegen. Stef Kormann fragt, ob die EDU für den sozialen und ökologischen Frieden im Land kämpft? Ja, das tut sie wohl mehr als alle anderen, indem sie sich für den geistigen und seelischen Umfeldschutz einsetzt, der Voraussetzung für den Frieden schlechthin ist.
Um mit Stef Kormann’s Worten zu schliessen: Wer nichts begreift, muss sich auch nicht wundern: Wehe! Wehe! Herr, die Not ist gross! Die ich rief, die Geister, Wird’ ich nun nicht los.
Saemann, Juni 2007



Degenerierte Schweiz
Lieber Dieter Stamm. Tatsächlich geht es hier um weit mehr als um zwei Franken fünfzig pro Zigarettenpäckli. Es geht um die bis heute von den Medien und der gesamten Schweizer Politik alleingelassene überwältigende Mehrheit der Schweizer Bevölkerung, die sich ungewollt von der von den Medien und der gesamten Schweizer Politik umsorgten Minderheit der Rauchenden ihre Atemluft am Arbeitsplatz, in Restaurants, in Schulen, an Universitäten, in Bahnhöfen und Flugplätzen verqualmen lassen muss, weil nicht nur Ihre Definition von liberalem Gedankengut darin besteht, dass starke, Bier trinkende und rauchende Männer das Sagen haben.
Wenn für Sie die Mündigkeit des Bürgers darin besteht, überall und jederzeit dort rauchen zu dürfen, wo es ihm passt, dann haben Sie einen degenerierten Begriff von Mündigkeit. Ich gönne Ihnen und allen Rauchenden jede einzelne ihrer Zigaretten und habe auch nichts dagegen, wenn ihnen diese von der Zigarettenindustrie gesponsert werden und Sie nicht Fr. 7.50 dafür bezahlen müssen, solange sie nicht in meiner Gegenwart und in der Gegenwart von ca. 5 Mio. ungewollt Passivauchender rauchen und diesen damit ihre Lebensqualität und ihre Gesundheit vermiesen.
In der Schweiz heisst die Wahl nicht, verrauchtes oder rauchfreies Lokal, die Wahl heisst verrauchtes Lokal oder zuhause bleiben. In der Schweiz sind 98 % der Restaurants mangels wirklich rauchfreier Zonen Sperrgebiet für Säuglingsgruppen, Kleinkinder, Asthmatiker und Allergiker und einer grossen Anzahl Passivrauchleidender, die nach 30 Jahren Mitrauchen schon lange genug davon haben.
Bieler Tagblatt, 4. August 2004



Nach Adam Riese
Entweder nimmt das Bundesamt für Sozialversicherung (BSV) an, dass die Schweizerische Wohnbevölkerung rechnerisch Analphabeten sind oder aber es kann selber nicht rechnen. Sonst würde es wohl nicht die Behauptung aufstellen „Schweizer sind eher invalid als Ausländer“ bzw. „die Wahrscheinlichkeit, eine IV-Rente zu beziehen, sei bei Schweizerinnen und Schweizern klar höher“. Gemäss der BSV-Studie haben 2002 176'000 SchweizerInnen und 95'000 AusländerInnen eine IV-Rente bezogen. Das bedeutet nach meinen Berechnungen – wenn man von einer ausländischen Wohnbevölkerung von 20 % ausgeht –, dass ca. 6,5 % der ausländischen Wohnbevölkerung eine IV-Rente beziehen gegenüber ca. 3 % der schweizerischen, was die obigen Aussagen des BSV widerlegt.
Derselbe Fehler wurde erst kürzlich gemacht, indem in den Medien mit absoluten Zahlen „bewiesen“ wurde, dass die schweizerische Wohnbevölkerung nicht weniger kriminell sei als die ausländische.
Mit der gleichen Logik könnte man behaupten, dass in einer Klasse mit 16 Mädchen und 4 Knaben die Knaben besser abschneiden, wenn bei einer Prüfung 4 Mädchen und 2 Knaben scheitern.
Das BSV will mit dieser Studie einen Beitrag leisten, „sachliche Gegebenheiten von populistischen Unterstellungen zu trennen“, macht aber genau das Gegenteil und erweist damit der ganzen Sache einen Bärendienst.
Tatsache ist, dass gute und weniger gute Menschen auf der Erde gleichmässig verteilt sind und In- und Ausländer deshalb nicht gegeneinander ausgespielt werden sollten. Vielmehr sollte ehrlich nach den Ursachen von diesen oder jenen Tatsachen geforscht werden. Um beim Beispiel mit der Klasse zu bleiben: Tatsache ist; dass 75 % der Mädchen gegenüber 50 % der Knaben die Prüfung bestanden haben. Diese Aussage ist nicht populistisch! Wichtig ist nun, nach den Ursachen dieser Diskrepanz zu suchen: wurden die Knaben vielleicht nicht genug gefördert, brauchen sie eventuell eine andere Unterrichtsstruktur usw. usw.
16. Januar 2004



Antitabakkampagne?
Heinrich Villiger spricht von einer gezielten, breitangelegten Antitabakkampagne. Lese ich richtig? Bis jetzt wildwasserte, mustangritt, macholächelte, lagerfeuerte, rallyefuhr, barrybellte mir immer nur von sämtlichen Plakatwänden eine breitangelegte Tabakkampagne entgegen. Solange Geld mit Macht gekoppelt ist und nicht notwendigerweise auch mit Verstand, wird eine gezielte, breitangelegte Antitabakkampagne wohl immer Heinrich Villigers Alptraum, mein Wunschtraum und der Wunschtraum vieler «Gesundheitsfanatiker und Weltverbesserer» bleiben, die leider keine finanzkräftige Lobby im Rücken haben. Auch wenn Heinrich Villiger vermutet, dass hinter der «Antitabakkampagne» vor allem wirtschaftlich Interessierte stehen, die ein Konsumpotential von vielen Milliarden Franken in andere Kanäle leiten möchten: Dem ist leider nicht so. Müsste Heinrich Villiger auf die gleiche mühsame Weise sein Geld zusammenkratzen wie die Passivrauchgeplagten, wäre er längst betteln gegangen.
Der Bund, 16. November 1989